Gasteditoren: Heinz Nigg (Universität Bern) und Kathrin Oester (PH Bern)

Die Medienanthropologie untersucht das Verhältnis des Menschen zu den Medien, die Art und Weise wie Medien Wirklichkeit erzeugen, ihre technische Entwicklung, ihre ökonomische und politische Einbettung in die Gesellschaft, ihre mediumspezifische Funktionsweise und Ästhetik. Sie lässt sich also nicht auf den ethnografischen Film oder die Visuelle Anthropologie reduzieren. Die Visuelle Anthropologie ist heute vielmehr ein Teilgebiet der Medienanthropologie geworden.

Dabei wird der Umgang mit (sozialen) Medien einerseits selbst zum Gegenstand ethnografischer Forschung. Andererseits werden interaktive Medien als Forschungsinstrumente eingesetzt, was mit neuen methodologischen Fragen verbunden ist. Nicht zuletzt sind audiovisuelle Medien in der Anthropologie unverzichtbares Mittel der Öffentlichkeitsarbeit und der Kulturvermittlung.

Die gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen, die gerade auch den audiovisuellen Medien zum Aufschwung verholfen haben, spiegeln sich im Lehrangebot der Anthropologie wieder. An manchen Universitäten konnte sich die Medienanthropologie bzw. die Visuelle Anthropologie im Lehrangebot fest verankern. Die Zahl der Studierenden, die eine Qualifikationsarbeit in Form eines Films, eines Ton-Features oder einer Ausstellung einreichen oder ein medienanthropologisches Thema empirisch oder theoretisch bearbeiten, nimmt zu.

Sowohl für die Visuelle Anthropologie als auch für die Anthropologie der Medien stellt sich die epistemologisch bedeutsame Frage, ob audiovisuelle Dokumente eine andere Botschaft als Texte vermitteln oder ob sie die Botschaft bloss anders zum Ausdruck bringen. Tatsächlich spricht die wachsende Popularität der audiovisuellen Medien dafür, dass Bild und Ton die Sinne direkter ansprechen als Texte. Das Bild eines Kriegsverletzten löst Gefühle von Mitleid, Angst oder Ekel aus. Oder das Bild einer einsamen Landschaft ruft Sehnsüchte und Erinnerungen wach. Allerdings vermitteln auch metaphorisch aufgeladene Texte affektive und poetische Botschaften und sprechen die Sinne unmittelbar an. Das Verhältnis von Text, Bild und Ton im Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozess ist komplex: Um etwas zu erkennen und einzuordnen, ergänzen wir visuelle Wahrnehmungen mit Begriffen und verbale Botschaften mit bildhaften Assoziationen.

Für das Dossier «Medienanthropologie» suchen wir Beiträge aus der theoretischen und angewandeten Medienanthropologie, die zu aktuellen Fragen und Problemen Stellung nehmen:

Die Beiträge können theoretisch, methodologisch oder institutionspolitisch ausgerichtet sein und sowohl aus der akademischen als auch der angewandten Forschung stammen. Abstracts: 2000 Buchstaben mit Leerzeichen. Bitte fügen Sie dem Abstract eine Kurzbio an, die Angaben über Ihre disziplinäre Zugehörigkeit und berufliche Position enthält. Themenvorschläge und Bio senden Sie bitte per Email an Heinz Nigg.

Richtlinien für AutorInnen: http://www.seg-sse.ch/pdf/Richtlinien_fuer_AutorInnen.pdf

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